Vorwort zur Strategie der Spannung

PDS Ethnizität und internationaler Terror

von Anno Hellenbroich, im Dezember 1995


Die Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin hat der Weltöffentlichkeit erneut schlagartig die Verwundbarkeit, die Fragilität eines jeden Friedensprozesses — insbesondere im Nahen Osten — demonstriert. Erschüttert muß man feststellen, daß Männer und Frauen, die es auf sich genommen haben, ein friedliches, auf wirtschaftliche Entwicklung bedachtes politisches Zusammenleben von Völkern zu bewirken — die Tragödie der Ermordung von John F. Kennedy, Martin Luther King oder Indira Gandhi erfaßt unsere Erinnerung — gnadenlos zu Opfern des Terrors durch den politischen Widersacher werden. Israel ist bis ins Mark erschüttert, da es sich beim jüdischen Täter — wie die Ermittler bisher feststellen konnten — um den Ausführenden einer "nationalistischen Konspiration" handelt.

Nach dem Amtsantritt von Präsident Chirac wurde Frankreich von zahllosen Bombenanschlägen heimgesucht. Drahtzieher dieser Bombenserien wurden in London festgenommen. Eine britische Fernsehgesellschaft, dem Umweltschutz verschrieben, machte einen Propagandafilm, der praktisch einem Aufruf zur Ermordung Chiracs — vorgeblich wegen der "Nukleartests" — gleichkam.

Der amerikanische Präsident Clinton wurde seit seinem Amtsantritt zur Zielscheibe einer gnadenlosen Haßkampagne der Propagandisten der britisch-oligarchischen Fraktion eines Rees-Mogg von der Hollinger Corporation und seinen amerikanischen Gefolgsleuten. Der von Profihand durchgeführte Bombenanschlag in Oklahoma-City schreckte Amerika auf. Über ein dutzend ernstzunehmender Attentatsversuche auf Präsident Clinton folgten diesen Haßkampagen.

Nach dem verheerenden Anschlag auf die ägyptische Botschaft in Pakistan im November 1995 konnte man von einem empörten Präsidenten Mubarak die fordernde Frage hören, wann endlich die "Großzügigkeit" der britischen Behörden ein Ende haben werde, Terroristen unbehelligt Aufenthalt im Vereinigten Königreich zu gewähren.

London und der strategische Grundkonflikt

Die meisten der Terrorakte heute, welche die Nationen erschüttern, sind Auswüchse des historischen Konflikts zwischen dem britisch-oligarchischen und dem amerikanisch-republikanischen System. Lyndon LaRouche faßt in seinem in dieser Studie veröffentlichten Beitrag über den "Ursprung des internationalen Terrorismus" die Folgen dieses "erblich bedingten" Konflikts in fünf Thesen und Fragen zusammen, die Aufschluß über die Motive und Methoden des Einsatzes und der Koordination der gegenwärtigen Welle des internationalen Terrorismus geben:
  1. Die "erblich bedingte" Natur des grundsätzlichen strategischen Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und der britischen Monarchie von 1776 bis 1995, so wie sie Henry Kissinger in seiner Rede im Mai 1982 im Chatham House identifiziert hat.
  2. Die Rolle des internationalen Terrorismus als Ersatzform allgemeiner Kriegsführung zwischen Staaten unter den besonderen Bedingungen moderner nuklearer Waffen und Waffensysteme, die auf "neuen physikalischen Prinzipien" beruhen.
  3. Die Bedeutung der Erkenntnis, daß die britische Monarchie als ein strategischer Gegner der USA zu betrachten und in diesem Zusammenhang zu differenzieren ist, in welchen gewichtigen Aspekten sich die britische Monarchie nach 1965 von der Form der Monarchie unterscheidet, wie sie zu König Georgs III. Zeiten existierte.
  4. Die Bedeutung der von der Londoner Oligarchie eingesetzten "Eine-Welt"-Utopie bei der Ausprägung des internationalen Terrorismus und anderer Formen der Kleinkriegsführung.
  5. Warum die populären Argumente gegen "Verschwörungstheorien" jene, die sie im Munde führen, entweder als Lügner oder als Papageien entlarven, die gedankenlos den Unsinn, den man ihnen erzählt hat, nachplappern.

Gerade in der deutschen politischen Klasse hat die Polemik gegen "Verschwörungstheorien" eine geradezu hysterische Form angenommen. Darum erachten wir es als bedeutsam, daß im Juni 1995, 33 Jahre nach der Ermordung des italienischen Industriellen Enrico Mattei, der Opfer des Londoner Ölkartells wurde und dessen Tod in der offiziellen Sprache stets als "Unfall durch Flugzeugabsturz" erklärt wurde, eine neue Untersuchung durch den Staatsanwalt in Pavia eingeleitet wurde, da "neue Spuren von Sprengstoff" auf einen geplanten Mord hinweisen. In dieser Studie werden aufregende Details und Interviews zum Fall Mattei veröffentlicht.

Gefahren für die Zukunft Deutschlands: Der Spaltpilz PDS und Lafontaine

Dieser strategische Grundkonflikt zwischen der britisch-oligarchischen Politik des "divide et impera" und einer amerikanisch-republikanisch orientierten Aufbaupolitik birgt für die Zukunft Deutschlands große Gefahren in sich. Denn als Resultat der Ermordung Herrhausens und Rohwedders im Interesse dieser oligarchischen Politik, als Folge des brutalen neuen "Morgenthau-Plans", den Margaret Thatcher und George Bush der zerfallenden Sowjetunion aufgezwungen haben, ist Deutschland, ist Europa von Turbulenzen im eurasischen Raum bedroht, deren Bedrohungspotential für unsere nationale Sicherheit — man denke an den Ausfall der russischen Gaslieferungen — nur mit Schrecken erahnt werden kann.

Bisher haben die britisch-oligarchisch orientierten Kreise in Deutschland zumeist erfolgreich versucht, diesen strategischen Grundkonflikt, wie er sich in der Auswirkung der verheerenden Thatcher-Wirtschaftspolitik in Eurasien bisher gezeigt hat, in der öffentlichen Debatte zu verschleiern. Man hat die wahnwitzige "Vierte Reich"-Verleumdungskampagne, die von Margaret Thatcher, ihrem Minister Ridley und — wie hier dokumentiert — parallel mit den englischen Gesprächspartnern von Gysi und Co. gegen die Wiedervereinigung betrieben wurde, nach außen hin belächelt — obwohl die Ermordung Rohwedders den bitteren Ernst dieser Hetze schrecklich wahr werden ließ.

Nach den Wahlerfolgen der PDS in Berlin im Herbst 1995 und den vom neuen SPD Vorsitzenden Lafontaine betriebenen "PDS-Normalisierungsgesprächen" (nach dem 87er SED-SPD-Gesprächsmodell), erhalten die in dieser Studie zum erstenmal veröffentlichten Hintergründe der internationalen Beziehungen der SED-PDS unerhörte Brisanz. Da konnte man bei dem PDS-Parteitag Anfang 1995 die typische "revolutionäre" Untergrundliteratur kaufen oder mitnehmen — von Marighelas Stadtguerilla bis hin zu den Schriften der RAF. Zum ersten Mal werden die Bedeutung der intensiven Beziehungen zu dem Sao Paulo Forum in Iberoamerika und die wirklichen Zielsetzungen der alt-neuen Kaderpartei aufgezeigt.

Das Sao Paulo Forum — Narkoterroristen und PDS

Von der Öffentlichkeit wenig beachtet haben seit der SED-PDS-Umwandlung die PDS-Führungskader die traditionellen guten Beziehungen zu den "revolutionären" Regierungen in Lateinamerika, z.B. Nicaragua oder Kuba, intensiviert. Im Mittelpunkt dieses neugeknüpften internationalen Netzwerks steht das 1990 von iberoamerikanischen Kommunisten, Narkoterroristen (bzw. ihren politischen Kampforganisationen) und Sozialisten gegründete Sao Paulo Forum (SPF), an deren 4. Treffen 1993 in Havanna Lothar Bisky an der Spitze einer PDS-Delegation teilnahm. Viele der am SPF beteiligten Gruppierungen sind direkt in bewaffneten Kämpfen verstrickt, in der Grenzregion Guatemalas, Venezuelas und Kolumbiens sowie den Koka-Anbaugebieten Perus und Boliviens.

Typisches Motto der Diskussionen des Sao Paulo Forums sind Äußerungen, die das Sprachrohr der Bewegung America libre in immer neuen Wendungen von sich gibt: Daß der Zapatistenaufstand in Chiapas als "erste postmoderne Revolution" zu unterstützen sei und als "politische bewaffnete Bewegung" Modellcharakter haben solle (Juli 1995). Die Verbindungen zu den Narkoterroristen sind unverblümt. Nachdem die sowjetische Finanzierung für Kuba zusammengebrochen war, gaben führende Kubaner die Losung aus, man solle das M-19 Modell "übernehmen" — sprich: sich wie die in Kolumbien operierende Narkoterroristen-Organisation mittels Drogenhandel finanzieren. Und im August 1995 rief der Bolivianer Evo Morales von der MBL (der bolivianischen "Befreiungsorganisation", deren Delegierte auf einer Europareise auch in Deutschland bereitwilligst von Vertretern von SPD, Grünen und PDS empfangen wurden) zu einer Strategie gegen die Ausrottung des Kokas auf und für eine Legalisierung des Kokagebrauchs. Diese Forderungen sind in der Vergangenheit auch von den Grünen erhoben worden — nur jetzt werden alte Bindungen zu neuen internationalen Vernetzungen geknüpft, die diesen Forderungen — zusammen mit den erwarteten "heißen Geldern" — kräftig Auftrieb geben werden.

Eine Eigenschaft der Führungskader der PDS besteht natürlich darin, daß — wie man es aus dem Märchen weiß — der Wolf und die Wölfe alle Kreide gefressen haben, wenn sie von ihrem Staats- und Grundwerteverständnis reden.

Eine Form dieser Chamäleon-Taktik ist der Aufbau bestimmter "Typen" in der PDS, die für eine "bestimmte Sprache" bekannt werden, die man aber von der Führung immer anders "interpretieren" kann. So spricht die PDS-Aufsteigerin und Punkerin Angela Marquardt in einem Interview mit der Wochenpost im August 1995 ganz "offen" über ihr "Gewaltverständnis"; sie nimmt das Beispiel einer "linken" Demonstration, bei der "Aggressivität" und "Gewalt" durch das Auftreten der Polizei, "der Bullen", enstehe, wobei die Gründe und die Erfahrung der Polizei (seit Wackersdorf und Startbahn West, A.H.) natürlich "egal" sind. "Ich beleuchte ganz allein meine eigenen Erfahrungen". Mit solchen Sprüchen sollen die autonome Szene, "Antiimpis" (Antiimperialisten) und die Überreste der "Roten Zellen" offenbar von der PDS eingefangen werden.

SPD/PDS Gespräche: "... auf den Hügeln der Skelette von Genossen."

Nach der handstreichartigen Wahl von Oskar Lafontaine zum Vorsitzenden der SPD und seinen vollmundigen Ankündigungen, mit neuen linken Mehrheiten die Macht in Bonn (oder Berlin) zu bekommen, sind die geschichtlichen Beziehungen zwischen SPD und SED im neuen Licht zu sehen. Denken die in die Jahre gekommenen 68er Lafontaines — gemeinsam ("toleriert") mit dem Chef der Filmakademie Babelsberg zu DDR-Zeiten Bisky — so etwas wie eine Neuauflage der 68er Bewegung zu machen? Glauben diese im Ernst, damit aus dem sozialen Chaos, das mit der zusammenbrechenden Weltwirtschaft zunehmen wird, für ihre Machtgier Profit schlagen zu können?

Soll wirklich die Mehrheit der Wähler die deutsche Geschichte nach dem ersten Weltkrieg und die Erfahrungen des SED-Staats vergessen haben? In dem in dieser Studie zum erstenmal veröffentlichten Interview warnt Hermann Kreutzer — ein SPDler der frühen Stunde, der aufgrund seiner Gegnerschaft zur Zwangsvereinigung der KPD-SPD unter schlimmsten Bedingungen über sieben Jahre in Bautzen eingesperrt war — in einem Brief an das Vorstandsmitglied Wiezoreck-Zeul im Frühjahr 1995, als der Kurt- Schumacher-Kreis von dem Wunsch der SPD-Führung nach Gesprächen mit der PDS hörte, "sie solle ruhig Gespräche führen, aber sie soll sich klar darüber sein, daß diese Gespräche auf einem Hügel von Skeletten und Leichen ihrer Genossen, die von den Kommunisten umgebracht wurden, geführt werden". Wir haben dieses Interview in großer Ausführlichkeit hier veröffentlicht, um in der gegenwärtigen Debatte die lebendigen Aussagen des Zeitzeugen Kreutzer den Oskar Lafontaines und Jürgen Trittins entgegenzuhalten, da Hermann Kreutzer den blinden Eiferern in der SPD und bei den Grünen seine erlebte und erlittene Geschichte drastisch zur Warnung entgegenhält.

"Ethnizität", Terrorismus und die "Afghansis"

Ethnizität ist in den letzten Jahren zu einem Instrument strategischer Kriegführung sowohl östlicher wie westlicher Nachrichtendienste geworden, die ihr Augenmerk in immer stärkeren Maße auf "Minoritäten" und "ethnische Konflikte" richten. Das Ziel des "ethnischen Terrorismus" ist die Zerschlagung des Nationalstaates (Separatismus) und der Kampf gegen den "zivilen" Staat, und damit verbunden gegen die Symbole der "Zivilität" und des Fortschritts: Infrastruktur und Industrie. Auf dem Hintergrund der geostrategischen Lage — globaler Finanzkollaps und Zusammenbruch der realen Weltwirtschaft — werden auf dem Schachbrett geopolitischer Interessenkonflikte ethisch/religiöse Konflikte "instrumentalisiert", d.h. Bevölkerungen werden mit Hilfe künstlicher und antagonistischer "ethnischer Identitäten" manipuliert.

Lord Avebury, der Leiter der britischen "All Parliamentary Commission on Human Rights", ein wichtiger Förderer der Autonomiebewegungen auf dem subindischen Kontinent, meinte hierzu in einem Interview, das EIR mit ihm im Sommer 1995 führte: Nicht nur auf dem subindischen Kontinent werde es zu einer neuen Ära kommen, "die Tendenzen in Indien folgen den zentrifugalen Tendenzen, wie wir sie derzeit auch im übrigen Rest der Welt erleben... Ich denke an das Auseinanderfallen der Sowjetunion und Jugoslawiens. Föderale Staaten, die nicht in Übereinstimmung sind mit den Wünschen der Menschen, haben diese Tendenzen zur Aufspaltung und man könnte sagen, daß auch Äthiopien in diese Richtung gehen wird." Auch in Afrika gebe es viele Probleme. "Das größte Problem ist der Sudan und seine Rolle als Nest der islamischen Tendenzen, die sich in der Region verbreiten und die Gefahr eines internationalen Konfliktes, der sich mit den Nachbarn zuspitzt. Ich denke an Uganda, Eritrea, Äthiopien und Kenia... Die mögliche Desintegration Nigerias ist die zweitgrößte Gefahr..." In Lateinamerika, insbesondere in Guatemala und El Salvador werden — so die Auffassung Lord Aveburys — die Probleme nicht gelöst, solange die "militärischen Strukturen, die diese Probleme verursacht haben, nicht zerschlagen sind."

So spricht also ein britischer Lord im Sommer 1995, der in seinen Äußerungen deutlich die britische "Balance of Power"-Strategie durch die Förderung der Desintegration von Nationalstaaten zu erkennen gibt.

Zu einem der aggressivsten Teile des internationalen Terrorismus gehört ein "Heer gut ausgebildeter Terroristen, bekannt als frühere Mudschaheddin-Kämpfer im Afghanistankrieg der 80er Jahre, an dessen Aufbau, Bewaffnung und Einsatz der damalige amerikanische Vizepräsident George Bush und die Regierung Thatcher führend beteiligt waren", so lautet eine jüngst von LaRouche in EIR (Nr. 41, 13. Oktober 1995) veröffentlichte Analyse. In der Zwischenzeit haben andere internationale Presseorgane diese Tatsachen auch veröffentlicht (z.B. "Stecken 'Afghanen' hinter dem Attentat von Islamabad?", FAZ, 21. November 1995).

Am Beispiel der in Chiapas/Mexiko operierenden Gruppen — EZLN — und deren internationalen Unterstützungsapparates, zeigt diese Studie auf, wie und auf welche Weise und mit welchen wahren Zielen dieser separatistische Terror geführt wird.

Nicht überraschend ist dabei die Bandbreite der in Deutschland als Unterstützer der Terrororganisation EZLN auftretenden Gruppen und Publikationen. Dies reicht — wie in der hier veröffentlichten sehr detailreichen Studie dokumentiert wird — von Unterstützergruppen der RAF, über "Dritte Welt"-Organisationen, Einrichtungen der beiden großen Kirchen bis hin zu Karl-Eduard von Schnitzler, der Propagandist aus DDR-Zeiten. Schielen Lafontaine und Co. auf diese "Netzwerke" zur Bildung ihrer "linken "Mehrheit"?

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