"Islamische Terroristen" - ausgebildet in Fort Bragg

Aus Washington Insider Nr.44/2000

Am 20.10. bekannte sich Ali Mohamed, der als führender Mitarbeiter des "islamischen Terroristen" bin Laden gilt, im Bundesgericht von New York schuldig, an einer terroristischen Verschwörung zur Ermordung von Amerikanern beteiligt gewesen zu sein. Mohameds "Bekenntnis" ist Teil einer Vereinbarung zur Strafmilderung mit der US-Regierung. Bei genauerer Untersuchung von Mohameds Hintergrund liegt jedoch der Verdacht nahe, daß der erklärte "islamische Terrorist" in den letzten beiden Jahrzehnten Mitarbeiter amerikanischer Geheimdienste war, und daß er in den 80er Jahren an Operationen der afghanischen Mudschaheddin teilnahm, die von anglo-amerikanischen Geheimdiensten unterstützt wurden. Auch der Zeitpunkt von Mohameds weithin publiziertem "Geständnis" - das als Rechtfertigung amerikanischer Luftangriffe auf bin Ladens Operationen in Afghanistan dienen könnte - ist verdächtig.

Mohamed "bekannte", daß er Anfang der 90er Jahre in Ägypten der Organisation Islamischer Dschihad beitrat und damals auch mit bin Ladens Organisation Al Qaeda in Kontakt kam. Er sagte, er habe 1991 geholfen, bin Laden in den Sudan zu bringen; 1992 habe er Al Qaeda in Afghanistan militärisch und im Umgang mit Sprengstoffen ausgebildet und später die US-Botschaft in Nairobi, auf die 1998 ein Terroranschlag verübt wurde, ausgespäht.

Mohamed diente von 1971-1984 in der ägyptischen Armee, wo er bis zum Majorsrang aufstieg. 1981 nahm er als Hauptmann der ägyptischen Armee an einem Offizierslehrgang der Sonderkampfgruppen der US-Armee in Fort Bragg teil. Im gleichen Jahr hatte er bereits an einem Fallschirmspringerkurs in Fort Benning teilgenommen. Es ist bekannt, daß solche Trainingsprogramme für unkonventionelle Kriegsführung dazu genutzt werden, solche Offiziere als Mitarbeiter für die CIA oder den US-Militärgeheimdienst anzuwerben. 1984 verließ Mohamed die ägyptische Armee und zog in die USA; nach seiner Einbürgerung trat er 1985 in die US-Armee ein. Den größten Teil seiner aktiven Dienstzeit war Mohamed den Sonderkampfgruppen in Fort Bragg zugeteilt. Dann verbrachte er fünf Jahre bei der Reserve und wurde 1994 ehrenhaft entlassen - als er angeblich bereits in bin Ladens Organisation aktiv war.

Offiziellen Dokumenten zufolge stand Mohamed im Kontakt zum FBI und anderen Geheimdiensten, bis er 1998 verhaftet wurde - was acht Monate lang geheim gehalten wurde. Mohameds Fall erinnert an einen weiteren Informanten des FBI, Emad Salem, der 1993 im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das World Trade Center auftauchte. Auch Salem war ein ehem. Offizier der ägyptischen Armee, der in die USA kam, um mit Scheich Abdel Rahman zusammenzuarbeiten, den die CIA Ende der 80er Jahre in die USA geholt hatte, um amerikanische Moslems für den Kampf gegen die Sowjetarmee in Afghanistan anzuwerben.